| Rote Karte für Studiengebühren |
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Der nachfolgende Artikel stammt aus der RHEINPFALZ, Pfälzer Tageblatt vom 23. Februar 2011
VOR DER WAHL: Jugendparlament Herxheim-Hayna diskutiert mit Parteivertretern über die zukünftige Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz Herxheim. „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir", so lautet ein altes Sprichwort. Mit Blick auf die anstehende Landtagswahl hatte das Jugendparlament Herxheim-Hayna fünf Parteivertreter zu einer Podiumsdiskussion in die Herxheimer Festhalle geladen, um gemeinsam mit etwa 200 Schülern des Pamina-Schulzentrums über die zukünftige Bildungs- und Jugendpolitik in Rheinland-Pfalz zu debattieren. Die Parteivertreter - Alexander Schweitzer (SPD), Ruth Hänling (CDU), Sebastian Wüst (FDP), Peter Kallusek (Grüne), Markus Westermann (Linke) - hatten sich streng nach der Farbenlehre des politischen Spektrums auf ihren Plätzen eingefunden. Das Ambiente der Festhalle, die in der Faschingszeit von den Karnevalisten genutzt wird, präsentierte sich in närrischem Glanz. Über den Köpfen der Polit-Profis hing ein Banner mit dem Schriftzug „Die Narren feiern Jubiläum". Doch zum Narren wollte sich hier sicherlich keiner machen lassen. Es ging ernst zu, denn die Wahlen kommen näher, die gut gefüllte Festhalle war gespickt mit Jung- und Erstwählern. Diese hatten im Vorfeld ihre Fragen schriftlich aufgesetzt und an die Vertreter des Jugendparlaments weitergeleitet. Ein Riesenthema bei den angehenden Besitzern der Allgemeinen Hochschulreife war das Zentralabitur. „Wir brauchen das Zentralabitur, denn die Abschlüsse müssen vergleichbar sein", sagte Sebastian Wüst, der Landtagskandidat der FDP. Ruth Hänling sah dies ähnlich. „Es ist auch im Interesse der Schüler, dass das rheinland-pfälzische Abitur bundesweit gleichviel wert ist", betonte sie. Alexander Schweitzer, der als Vertreter für Wahlkreismann Kurt Beck gekommen war, war wie Peter Kallusek und Markus Westermann anderer Meinung. Sie sprachen sich einhellig gegen das Zentralabitur aus, denn es sei wenig sinnvoll, Abschlüsse miteinander zu vergleichen, wenn in jedem Bundesland andere Schulkonzepte gültigen seien. Auch die ungeliebten Studiengebühren kamen zur Sprache. Hier wurde die Diskussion hitzig. „Es darf keine Studiengebühren geben, denn Bildung muss frei sein. Gehen sie auf die Straße und zeigen sie denjenigen die rote Karte, die solches wollen", forderte Kallusek die Jugendlichen auf. „Auch in Zukunft wird es keine Studiengebühren in Rheinland-Pfalz geben", unterstrich Schweitzer die Agenda seiner Partei. Markus Westermann war dies zu wenig. „Nicht nur das Studium, sondern auch die Kita-Plätze und das Mittagessen in der Schule müssen beitragsfrei sein. Wir brauchen Chancengleichheit", forderte der 28-jährige Kandidat der Linken, der Lehramt an der Uni Landau studiert. Auch Ruth Hänling ist gegen die Einführung von Studiengebühren, merkte aber an, dass die Hochschulfinanzierung unter den geringen Mitteln zu leiden habe. Nur Wüst war hier anderer Meinung. „Wir müssen hier die Frage nach der Gerechtigkeit stellen. Soll die Krankenschwester diejenigen bezahlen, die später in gut bezahlten Berufen arbeiten? Ich glaube, dass wir die Universitäten ausreichend finanzieren müssen und dies ist mit Studiengebühren möglich", sagte der Jurist, der in Rostock und Mainz Rechtswissenschaften gelernt hat. Nun ging es ans Eingemachte: „Soll auf kommunaler Ebene das Wahlrecht auf 16 Jahre heruntergeschraubt werden?", fragte Rebecca Doll, Vertreterin des Jugendparlaments. Aus der Sicht von Ruth Hänling ist dies ein schwieriger Punkt. „Meine Erfahrung als Lehrerin ist, dass mir viele Schüler sagen, dass sie sich noch nicht reif genug fühlen. Das erstaunt mich, aber Jugendliche haben eine sehr gute Selbsteinschätzung", konstatierte die Hauptschullehrerin in Wörth. Die anderen Diskutanten sahen dies weniger kritisch. „Nicht nur auf kommunaler, sondern auch auf Landesebene sollte das Wahlalter von 16 Jahren eingeführt werde, denn dort wird ja auch über die Bildungspolitik entschieden", sagte Westermann. Auch für Wüst, Schweitzer und Kallusek ist das Wahlalter 16 ein wichtiges Mittel, um Jugendliche stärker in politische Prozesse einzubinden. Für Schweitzer ist jedoch klar, dass man etwas tun muss, wenn man mitreden will. „Mehr Mitspracherecht heißt auch: runter vom Sofa", appellierte der SPD-Mann an die Schüler und bat sie darum, sich zu engagieren. (ansc) |
